Mit Quereinsteigerinnen gegen den Pflegenotstand
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Mit Quereinsteigerinnen gegen den Pflegenotstand

Quereinsteiger-Kampagne der Zentralschweizer Gesundheitsbetriebe

Peter Renggli war 50 Jahre alt, als er sich dafür entschied, den Beruf zu wechseln. Er kündigte seinen Führungsjob in der Logistik und begann die Ausbildung zum Pflegefachmann. Heute arbeitet der 55-Jährige bei der Spitex Nidwalden. «Ich habe den Entscheid keinen Moment bereut», sagt er, «eher wünsche ich mir, ich hätte den Schritt früher gewagt.»

Grosser Bedarf an Pflegenden

Renggli gehört zu den rund 20 Prozent Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern in Pflegeberufen. Die Zentralschweizer Gesundheitsbetriebe wollen diese Zahl nun erhöhen und starten eine Kampagne, um mehr Branchenfremde für die Arbeit in Spitälern und Heimen zu gewinnen. Die Kantone sprechen dafür gut 120’000 Franken.

Sie erhoffen sich, die drohende Lücke bei den Pflegeberufen zu schliessen. Bis ins Jahr 2029 werden in der Zentralschweiz rund 14’000 zusätzliche Fachkräfte benötigt. Landesweit liegt der Bedarf allein bei den höher ausgebildeten Pflegefachleuten bei 43’400 Personen. Gedeckt sein werden nach aktuellen Prognosen jedoch nur 28’900 Stellen, wie das Schweizerische Gesundheitsobservatorium vorrechnet.

Für die Quereinsteiger-Kampagne der Zentralschweiz ist das Bildungszentrum Xund verantwortlich, das für Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen zuständig ist. Der stellvertretende Direktor Tobias Lengen ist überzeugt, dass er die Pflege auch Leuten aus anderen Branchen schmackhaft machen kann. «Es ist ein sinnstiftender Beruf mit Menschen, für Menschen. Und er ist konjunktursicher.»

Gerade letzteres sei während der Corona-Pandemie wieder wichtiger geworden. Es ist mit ein Grund, weshalb sich auch Aleksandar Djuric entschieden hat, den Beruf zu wechseln. Bis vor wenigen Jahren arbeitete der 29-Jährige als Koch in einem Hotel, jetzt pflegt er Betagte in einem Luzerner Altersheim. Das Kochen habe ihm zwar gefallen, erfüllt habe er sich dabei aber nie wirklich gefühlt.

Die Corona-Pandemie habe ihm dann den nötigen Schubser für den Berufswechsel gegeben, sagt Djuric. «Wie andere Gastronomiebetriebe musste auch unserer schliessen. Meine berufliche Situation war plötzlich nicht mehr sicher.» Er nahm dies als Anlass, um als Freiwilliger in einem Pflegezentrum arbeiten zu gehen. «Das hat mir richtig gut gefallen.» Aleksandar Djuric beschloss, den Beruf zu wechseln und befindet sich heute mitten in der Ausbildung zum Pflegefachmann.

Wechsel kann herausfordernd sein

Pflegeberufe mögen zwar konjunktursicher sein, doch gaben die Arbeitsbedingungen in den letzten Jahren immer wieder Anlass für Kritik. Viele ausgebildete Pflegerinnen und Pfleger haben deshalb den Beruf verlassen und auch mögliche Quereinsteiger könnte dies abschrecken. Tobias Lengen vom Gesundheitszentrum Xund ist sich dessen bewusst. «Es gilt auch, die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, die Löhne und die Arbeitszeiten zu verbessern, um attraktive Arbeitsbedingungen bieten zu können.»

Eine dritte Quereinsteigerin, die trotz der Kritik an den Arbeitsbedingungen in die Gesundheitsbranche wechselte, ist Ana Perez. Die 22-Jährige hat ursprünglich eine Lehre im Detailhandel gemacht, suchte jedoch nach mehr Verantwortung und fand diese in der Pflege. Einfach sei der Berufswechsel jedoch nicht, fügt sie an. «Ich will meinen Ansprüchen auf der Arbeit gerecht werden und das fordert mich.» Bereut habe jedoch auch sie den Wechsel nie.

Das ist ein Zitat der Seite von www.srf.ch